
Am 20. Juni 2026 durften wir im Mutterhaus eine ausgewiesene Kennerin des Theologen und Meisters der Menschenführung, Romano Guardini, begrüßen. In einem ebenso schwungvollen wie tiefgründigen Vortrag führte sie uns in die Pädagogik dieses „größten deutschen Erziehers des 20. Jahrhunderts“ ein. An den Anfang stellte sie das Zitat: „Der Mensch – ein Entwurf auf etwas Ungeheures hin!“ Das war Guardinis Überzeugung. „Schicksal“ verstand er als das, was uns beim Beginn unseres Daseins „mitgeschickt“ wurde an Talenten, Möglichkeiten und Grenzen. Der Erzieher hat die Aufgabe, andere „zu ihrer wahren Freiheit zu führen“, was aber nur innerhalb dieses Vor- und Mitgebenen möglich ist. Er sollte den Blick der ihm Anvertrauten auf das lenken, was sie können, wofür sie geschaffen sind, was ihnen zu eigen ist. Guardini betonte auffallend die Bedeutung des Leibes bei der Erziehung; denn der ganze Mensch trägt das Tun. Tatsächlich übte er mit den Jugendlichen Körperhaltungen ein, um geistige Haltungen in ihnen zu stärken: Stehen („schwingende Ruhe“), Sitzen, Knien („zur Hälfte verkürzte Größe“), Liegen („ein gesammeltes Ausgegossen-Sein“). Hier wird deutlich, dass Guardini gern mit Gegensätzen arbeitet. Es gilt, sich mit dem eigenen Leib zu „befreunden“, in ihm zu Hause zu sein. Größten Wert legte Guardini in der Erziehung auf die Wahrheit; denn wenn der Mensch von der Lüge erfasst wird, wird er „gebogen“. Der Mensch vollzieht sich selbst, wenn er aus der Wahrheit lebt und in der Wahrheit bleibt. Die findet er in Gott. „Der Mensch, der Gott die Ehre gibt, ist gesund.“ Am Ende stellte sich die Referentin Fragen aus dem Publikum und signierte ein Buch aus der Schwesternbibliothek: die erste und bisher einzige umfassende Biographie von Romano Guardini – aus ihrer Feder.








