
Die Novizinnen hatten am Donnerstagabend, 15. Oktober 2026, die Bewohner des Mutterhauses zu einer Überraschung im Foyer des ersten Stockes eingeladen. Das Bühnenbild war eindrucksvoll und weckte hohe Erwartungen. Ein König trat auf und stellte drei Fragen: Wann ist der wichtigste Zeitpunkt? Wer ist die wichtigste Person? Welches ist das wichtigste Werk? Die widersprüchlichen Antworten der Weisen des Landes konnten den König nicht zufriedenstellen. Da besuchte er den Einsiedler im Wald, der gerade die Erde umgrub und seine Arbeit schweigend fortsetzte, nachdem der König seine Fragen vorgebracht hatte. Schließlich löste der König den Erschöpften ab und nahm die Hacke in die Hand. Plötzlich tauchte ein Schwerverletzter auf, der gerade noch mit dem Leben davon gekommen war. Der König und der Einsiedler versorgten gemeinsam seine Wunden und betteten ihn auf eine Liege in der Hütte. Am nächsten Morgen belehrte der Einsiedler den König: Du hast die Antworten auf deine Fragen schon erhalten. Der wichtigste Zeitpunkt ist der gegenwärtige Augenblick, weil wir nur über diesen verfügen können. Der wichtigste Mensch ist derjenige, der gerade vor uns steht. Und das wichtigste Werk ist, genau diesen Menschen glücklich zu machen. Leo Tolstoi hatte sein Märchen „Die drei Fragen“ im Jahr 1902 veröffentlicht. Seine tiefe Aussage ist immer noch gültig. Sie wurde aber wohl noch nie so liebevoll und eindrücklich in Szene gesetzt wie an jenem Abend im Mutterhaus – zur Freude aller Zuschauer, welche das Ensemble mit begeistertem Applaus belohnten.












